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Restauration

Eine gewerbliche Restauration ist immer eine Gratwanderung zwischen Wirtschaftlichkeit und Anspruch an die Originalität. Aber auch die handwerklichen Fähigkeiten entscheiden über das Resultat. Daher gilt: eine genaue Untersuchung des Blechzustands gibt Auskunft über den Wert des Fahrzeugs. Eine ungeschweißte Karosserie ist definitiv von größtem Vorteil, nicht nur weil ein unverbastelter Originalzustand zumeist hohe Verkaufserlöse erzielt, sondern auch weil die Wahrscheinlichkeit folgender Rostprobleme weitgehend minimiert ist. Um den Status quo zu erhalten, ist eine regelmäßige Auffrischung des Rostschutzes mehr als nützlich. Mehr dazu ist zukünftig im Bereich "Rostschutz" zu lesen, unter anderem findet sich dort auch eine genaue Anleitung zur Hohlraumkonservierung beim Iltis.

 Unterbodenschutz

Ab Werk ist beim Volkswagen der gesamte Unterboden und die Radkästen mit UBS Unterbodenschutz auf Kunststoffbasis versiegelt und überlackiert. Dieses System war damals der Stand der Dinge und für die geplante Lebenszeit eine praktikable Lösung. Mit der Zeit wird dieses Material jedoch rissig und zieht Feuchtigkeit ans Blech. Beim Bombardier sind auch alle Stöße und Winkel im Innenraum mit diesem Mittel überzogen. Bei Restaurationen ist es sinnvoll, diesen UBS in Nähe der Schadstellen weiträumig zu entfernen und beschädigtes Blech großzügig zu entfernen.

Auf den nachfolgenden Bildern war zuerst keine Spur von Rost zu sehen. Unter der UBS-Schicht allerdings präsentierte sich folgendes Bild. Ohne eine Behandlung wäre in absehbarer Zeit dort schwerwiegender Schaden entstanden, zu diesem Zeitpunkt kann noch gut gegengesteuert werden.


 

 

Was eine Restauration von einer Reparatur unterscheidet.. :

 

..oder woran erkenne ich einen ungeschweißten Iltis ??

Heckwand

Das Heck ist sicher die rostgefährdetste Stelle des Iltis. In den Hohlräumen des Hilfsrahmens sammeln sich Staub und Dreck, welche die Feuchtigkeit binden und ideale Bedingungen für Rostfraß schaffen. Ebenso lagern sich Schlamm und Erdreich in den hinteren Radkästen ab, die durch die Räder aufgeschleudert werden. Unter den Steinschlägen leidet auch der hintere Kabelbaum, der bei Arbeiten am Heck stets untersucht werden soll. Auf dem Bild erkennt man gut, die relevanten Stellen, denen eine genaue Betrachtung zuteil werden sollte. Es enthält alle originalen Merkmale, die das Heck ab Werk aufweist... und auch nach einer fachgerechten Wiederherstellung wieder zeigen kann.

Der Pfeil weist auf eine eingeschweißte M6 Mutter, die die werksseitige Befestigung der Erdungsschraube darstellt. An dieser Stelle befindet sich eine Rändelmutter, die bei Schweißarbeiten und Austausch der Heckblechkante gerne vergessen oder ignoriert wird.

Die rote Markierung zeigt die Position der Versteifungssicken, welche sich sowohl unter dem Tankstutzen als auch auf der gegenüberliegenden Seite unter dem (evtl. nicht vorhandenen) Antennenwinkel befinden. Da kaum jemand die seltenen originalen VW Reparaturbleche verwendet, verschwindet diese Sicke fast immer bei Schweißarbeiten am Heck. Wir haben eine Pressform erstellt, womit wir diese Versteifungen selbst ins Blech pressen können, um eine weitesgehend originalgetreue Restauration umsetzen zu können.

Die blaue Linie verdeutlicht die Befestigung des hinteren Kotflügels, der mit seiner Kantung über dem Heckblech angebracht wurde. Einzelne Schweißpunke sind üblich, über die gesamte Länge wurde jedoch wiederstandsgeschweißt und auch ab Werk gefüllert (Bombardier). Die Kante verläuft über die gesamte Höhe des Kotflügels, bei einfacheren Reparaturen wird oft auf die Wiederherstellung verzichtet.

Die orangen Striche verweisen auf die markanten Blechstöße, deren Verlauf im Bild deutlich wird. Da das Heckblech aus mehreren Einzelblechpartien zusammengesetzt ist, erkennt man im besten Fall direkt das Vorhandensein dieser Stöße. Sie entstehen, da beim Übereinanderheften der Blechstücke der darunterliegende Blechstreifen abgesetzt sein muß, um nicht aufzutragen. Der Spalt zwischen den Schweißpunkten ist mit aushärtender Dichtmasse verschlossen. 

Oft sieht man Reparaturen, bei denen die untere Kante des Hecks mit einem glatten, durchgängigen Blech ersetzt wird. Dabei gehen fast alle genannten Merkmale verloren. Der Zustand des Blechs darunter ist nicht abzuschätzen und birgt zumeist unangenehme Überraschungen, die einem zukünftig viel Arbeit bescheren. 

 

Seitenteil

Die Seitenteile bzw. Außenschweller sind an beiden Seiten auf den vorderen und hinteren Kotflügeln aufgesetzt. Diese sind an den Anschlußstellen abgesetzt, die Zwischenräume mit Dichtmasse abgedichtet. An den Enden der Auflage sind die Bleche verschweißt, daher zieht sich die Naht nicht über die volle Breite. Da die Innenkotflügel mit 2mm starkem Blech ausgeführt sind und drei Bleche übereinander liegen, kommt es hier oft zu Rostschäden. Es empfiehlt sich, den werkseitigen Unterbodenschutz weiträumig zu entfernen um das Ausmaß des Rostbefalls genau zu ermitteln.

Gelegentlich wird versucht den Käufer zu täuschen, indem diese Nahtstelle in den Spachtel geritzt wird. Eine genaue Analyse ist unerläßlich. Auf dem Foto sieht man außerdem den Ansatz des Radlaufs, der sich mit deutlichem Absatz vom geraden Blech des Kotflügels abhebt. Auch hier geht diese Form durch Einsatz von Spachtel häufig verloren.

Schweller

Das markante Zeichen am Schweller sind die eingelassenen Pfeile der Wagenheberaufnahme an allen 4 Enden des Schwellers. Dort ist der Innenschweller mit 2mm starken Blechen verstärkt. Das Hauptproblem an dieser Stelle ist allerdings tatsächlich hausgemacht. Im Radkasten befindet sich in Mitte des Schwellerquerschnitts eine Ablauföffnung, die ärgerlicherweise ab Werk mit einem Gummistopfen verschlossen und mit UBS übertüncht ist. Daher kann von innen eindringender Dreck nicht wie vorgesehen ausgespült werden und bildet eine ideale Basis für Rostbefall. Ich empfehle stets den Stopfen zu entfernen und den Schweller zu behandeln. Siehe Kapitel Rostschutz.

Gelegentlich sieht man auch Reparaturschweller-Stücke die häufig aus Kanada bezogen werden. Bei diesen ist der berühmte Pfeil kleiner und weniger tief ausgeführt. Es bleibt also zu sagen, dass das bloße Vorhandensein eines Pfeils noch kein Beweis für den jungfräulichen Zustand des Iltis ist...

 

Batterieboden

Der sogenannte Batterieboden bezeichnet den Raum unter den beiden Batterien. Warum auch immer dort ein Hohlraum einkonstruiert wurde, ist nicht logisch nachvollziehbar. Um ihn zu bewerten sind die Batterien auszubauen und ein Endoskop oder lange Finger von Vorteil. Die mit blauen Pfeilen gekennzeichneten Löcher untersuchen und prüfen ob dort Wachs oder Rost zu finden ist. Oder eventuell nichts mehr? Diese Stelle ist bei Fahrzeugen aus belgischer Hand etwas entschärft, da die Verwendung von Gelbatterieen ohne Ausgasung, einen Verfall des Blechs weitgehend verhindert hat.

Die orange Linie markiert den Anschluß des Bodenblechs zum Batterieboden. Dort sind auch die Stehbolzen der Batteriehalter angeschweißt. Es sollen sich dort keine Flicken und bei den Bombardier nur eine leichte Schicht UBS finden. Alles andere ist verdächtig. 

Der rote Pfeil zeigt eines der Löcher im Innenschweller. Warum sich dort mit hoher Wahrscheinlichkeit Dreck finden wird, ist bereits oben erklärt worden. Wenn nicht, kann das ein Indiz für penible Pflege des kundigen Vorbesitzers oder aber für einen eingefügten Schweller sein.

Verzinnen statt Spachteln

Oft fängt man an einem Iltis anzuschleifen und ehe man sich versieht, steht man in einer Wolke aus Spachtelstaub. Doch diese Plastikmasse, die kiloweise schon ganze Fahrzeuge zusammengehalten hat bis zum nächsten Schlagloch, hat im Geländewagen wenig zu suchen. Erstens zieht Spachtel Wasser und zweitens platzt er gerne mal in großen Platten ab bei "Feindkontakt" im Gelände. Besonders wenn die Schichtstärke von 2mm überschritten wird. Wir verzinnen Unebenheiten nach alter Schule. Dabei wird das saubere Blech dünn verzinnt (wie beim Löten) und dann das Zinn mittels Hitze in weichem Zustand gehalten, auf dem Blech verteilt. Die beiden Metalle verbinden sich chemisch und Zinn verhindert die Rostbildung auf dem Blech. Danach wird geraspelt und geschliffen. Zum Herstellen des Lackuntergrunds werden dann mit Feinspachtel die Poren geschlossen.

 


 

Bilder aus unserem Werkstattalltag