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Die Entstehungsgeschichte des VW Typ 183 Iltis - "Lkw 0,5t tmil gl"

Die Erstausrüstung der Bundeswehr 1956 für den Bereich Leichtlastkraftwagen mit überdurchschnittlichen Geländeeigenschaften und 1/4 Tonne Nutzlast, erfolgte mit der Beschaffung des Auto Union / DKW Lkw 0,25t "Munga". Dieser mit permanenten Allradantrieb ausgestattete kleine Offroader war mit einem 1000cm³ 3 Zylinder 2-Takt Benzinmotor ausgestattet, wie man ihn noch viel später im Wartburg sehen, hören und riechen konnte...

Er blieb bis in die 1980er Jahre in der Truppe und wurde weit über 60.000 mal gebaut. Mit seinem sehr fortschrittlichem Antriebskonzept ohne Verteilergetriebe, kann er unbestritten als direkter Vorfahre des Iltis gelten. Viele seiner techn. Konzepte wurden für den VW Iltis übernommen und das Allradkonzept fand mit den berühmten Quattro-Audis seinen Weg in die Großserie.

 

DKW Munga/4

 

 

Anfang der 1960er Jahre vereinbarten die Regierungen Italiens, Frankreichs und Deutschlands die gemeinsame Entwicklung eines "Europa Jeeps". Dieses Fahrzeug sollte bei der Bundeswehr den bereits 1956 eingeführten MUNGA ersetzen. In mehr als einem Dutzend Jahren gelang es den an der Entwicklung des "Europa-Jeeps" beteiligten Firmen jedoch nicht, die hohen technischen Anforderungen der Militärs zu erfüllen. Frankreich und Italien verabschiedeten sich daher aus dem Vorhaben und Mitte der 1970er Jahre musste auch die Bundeswehr erkennen, dass das Projekt nicht erfolgreich zum Ziel geführt werden könnte.

Europa Jeep Prototyp

Die unerwartet lange Entwicklungsdauer für den Munga-Nachfolger hatte die Bundeswehr bereits Ende der 1960er Jahre gezwungen, nach einer kostengünstigen Übergangslösung zu suchen. Dabei fiel die Wahl auf das Melde- und Verbindungsfahrzeug Pkw 0,4t Typ 181 "Kurierwagen", das Volkswagen ab 1969 produzierte. Dieser Kübelwagen auf Käfer-Basis ohne Allradantrieb war jedoch für die Truppe nur eine Notlösung. Nach dem offiziellen Ende des Europa-Jeep-Vorhabens galt es 1976 erneut, kurzfristig eine Lösung für die sich andeutende Ausrüstungslücke zu finden. Aus der Not heraus wurde entschieden, den Bau eines Nachfolgefahrzeugs in Auftrag zu geben, das einerseits dem fahrzeugtechnischen Fortschritt Rechnung trug, sich andererseits aber auch konstruktiv stark am Munga orientierte, damit die Weiternutzung der vorhandenen Munga-Rüstsätze gewährleistet war. Großes Augenmerk wurde auf eine Pkw-ähnliche Fahreigenschaften gelegt, da hauptsächlich Wehrpflichtige diesen Jeep fahren sollten, und eine kleinstmögliche Umgewöhnung der Generation Golf wünschenswert war. 

Volkswagen Kübelwagen Typ 181

 

 

Wiederum fiel die Wahl auf die Wolfsburger Fahrzeugbauer (dank Unterstützung von Franz-Josef Strauß), die umgehend mit ihrem Lkw 0,5t Typ 183 "Iltis" ein hochgeländegängiges Fahrzeug präsentierten. Zwischen dem Vertrag zur Lieferung von Prototypen und dem Beginn der Auslieferung im zweiten Halbjahr des Jahres Jahres 1978 lagen gerade einmal zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Möglich wurde dieses zum einen durch die gegenüber dem "Europa-Jeep" deutlich reduzierten militärischen Anforderungen, sowie unter anderem durch die überwiegende Verwendung von Großserienbauteilen. So stammte beispielsweise der 55 kW starke 1,7-l-Benzin-Motor aus der Entwicklung des sog. "Chrysler"-Motors, einer leicht modifizierten Version des bewährten Passat/Audi 80 Aggregats mit 1,6l Hubraum, dessen Export nicht zustandekam. Jedoch war diese kurzfristige Entwicklung nur möglich mit den Spezialisten des kürzlich eingegliederten Audi-Konzerns, da dort das Know-How aus der Fabrikation des DKW/Auto-Union Munga vorhanden war. So wurde das Antriebskonzept zuerst probeweise in einem leeren Mungarahmen umgesetzt.

Prototyp "Iltis" von 1977

Die 8.800 bestellten leichten Allrad-Lastkraftwagen konnten daher im Ingolstädter Audi-Werk schnell und kostengünstig produziert werden. Gefertigt wurden zunächst zwei Varianten. Die Variante 1 war als Führungs-, Fernmelde- und Verbindungsfahrzeug gedacht. Sie bot bis zu vier voll ausgerüsteten Soldaten bzw. verschiedenen Rüstsätzen (Panzerabwehrlenkrakete Milan, Feldkabelbautrupp, Gefechtsfeldausklärungsradar, Feuerwehr-Einsatzleitwagen, Feldjäger u.a.) Platz. Bei der zweiten Variante handelte es sich um einen behelfsmäßigen Verwundetentransporter mit über das Heck hinausragenden Tragengestellen und verlängerter Plane.

VW Iltis mit Rüstsatz MILAN

 

 

Bundeswehr Iltis

Nachdem 8.470 Fahrzeuge für das Heer, 310 für die Luftwaffe und 20 für die Marine produziert waren, stellte die Volkswagen AG 1983 die Produktion ein und verkaufte die weltweiten Herstellungs- und Vertriebsrechte an die kanadischen Bombardier-Werke. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war neben dem gescheiterten Verkauf des Iltis an die französische Armee, auch der dürftige Erfolg des zivilen Modells des Iltis auf dem Weltmarkt. Nach nur rd. 400 gebauten Zivilisten endete auch dieser Versuch relativ erfolglos. Bedeutsam für den schlechten Absatz war vornehmlich der hohe Preis von anfänfglich 34.000,- DM - dem Preis von zwei Audi 80! Die Bundeswehr bezog ihre Iltisse zum Preis von 28.000,- DM. Außerdem war erstmals die Ersatzteillieferung sowie die Hauptinstandsetzung (Mes4) in Volkswagenhand und wurde von ausgewählten Vertragshändlern dezentral umgesetzt.

Ziviles Model Iltis in weiß mit blauem Interieur

 

 

Bombardier produzierte zwischen 1984 und 1986 rund 3.000 "Polecat" für die kanadischen Streitkräfte. Die Unterschiede zwischen dem VW Iltis und dem Bombardier Iltis (Polecat) waren nicht sehr zahlreich, aber bemerkenswert. Während der VW über eine leichte Stoßstange, die nur gering aus der Front hervortrat, verfügte, war das kanadische Modell mit massiver Stoßstange und einem Astabweiser ausgestattet. Ein markanter Unterschied war zudem die Heckbeleuchtung. Die rechteckigen Rückleuchten der Iltisse aus deutscher Produktion war in die Heckstoßstangen integriert. Die runden US Army Rücklichter des Polecat waren auf die Stoßstangen montiert und wurden von einem Metallbügel geschützt. Auch war das kanad. Verdeck nicht klappbar ausgelegt, aber das robuste Grundkonzept bewährte sich im Einsatz bis ins Jahr 2007 auch im Einsatz im Kosovo und Afghanistan.

 

Kanadischer Iltis in Afghanistan

Auf der Basis einer Sublizenz fertige das VW-Werk in Brüssel zwischen 1984 und 1988 rund 2.700 Fahrzeuge für die belgische Armee. Die Teile wurden aus Kanada geliefert und mit den Elementen europäischer Zulieferen vervollständigt. Diese Fahrzeuge werden bis heute im Dienst verwendet, auch wenn schon einige hundert ausgemustert wurden und sich vielfach heute in Deutschland in privater Hand befinden. Die Hauptvorteile des Bombardier Iltis sind die werksmäßige Hohlraumkonservierung, die serienmäßige vordere Differentialsperre und das vom VW übernommene, klappbare Verdeck. Ebenso erfreuen sich die Bombardierfahrer über Kontrolleuchten, die den Schaltzustand von Allrad, Vorder- und Hinterachssperre anzeigen.

Belg. Bombardier Iltis auf Parade in Belgien

 

 

Vor dem Hintergrund einer einheitlichen Treibstoffsorte forderte die BW um 1986 noch einmal 880 Iltis mit Dieselmotor nach, um die Zeit bis zur Einführung des Nachfolgemodells Mercedes G "Wolf" zu überbrücken. Diese als Variante 3 bezeichneten Iltisse waren gegenüber der ursprünglichen Variante 1 weitestgehend unverändert. Sie verfügten aber über einen 1,6l VW-Turbo-Dieselmotor mit 51 kW. Dieser krankte aber an einer unveränderten Getriebeübersetzung, die in Kombination mit der gekapselten Einbauposition viele Motorschäden durch Überhitzung und Fehlbedienung geradezu herausforderte. Diese 3. Variante war hauptsächlich bei den FlaRak Einheiten eingesetzt und waren bis vor kurzem noch im Dienst. Nach 20 Jahren Einsatz, werden diese Modelle nun auch dem zivilen Automarkt übergeben.